Aktueller Pure-Look
Reiner als rein geht nicht.Wo sind sie hin, die bunt gemusterten Krawatten? Wo die extravaganten Schnitte? Er sich momentan in modisch interessierten Kreisen umsieht, wird zunächst überrascht sein von der Schlichtheit und Dezenz, die er dort vorfindet. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass es nicht die Wirtschaftskrise war, die die Kleidung beeinflusste, auf überflüssige Details zu verzichten. Denn eines ist diesem neuen, schlichten Look nicht abzusprechen: extreme Eleganz. Der Pure-Look ist in der Herrenmode angekommen.
Diesmal kam der Trend von den Damen, die sonst ja bekanntlich eher dazu tendieren, Errungenschaften der Herrenmode in ihre Bekleidung zu integrieren. Hier sei etwa an die Damenkrawatte oder den Hosenanzug erinnert. In den letzten Jahren setzte sich dort eine Richtung durch, die den Verzicht auf übertriebenes Auftakeln und Protzen propagierte. Weniger Schmuck, dafür ein bis zwei schöne Stücke. Weniger Makeup, so dass man zweimal hinsehen muss, um zu erkennen, ob die Trägerin überhaupt geschminkt ist. Klare, schlichte Linien, auch bei den Frisuren. Der Effekt liegt irgendwo zwischen Natürlichkeit und Eleganz. Mit Natürlichkeiit hat die maskuline Variante allerdings nur wenig zu tun.
Nun, wo die Strömung auf die Herrenmode übergegriffen hat, lässt sich die Parallele zum Entstehen des britischen Understatements kaum noch übersehen. Und doch gibt es gravierende Unterschiede. Wo der klassische Anzug eher Dazugehörigkeit und Angepasstheit kommunizierte, steht jetzt im Vordergrund, individuell eine gute Figur zu machen. Die Botschaft ist klar: ?Ich brauche keine Schnörkel, um gut auszusehen!?
Die Anzugschnitte sind betont einfach gehalten. Keine Taschenklappen, keine Verzierungen. Gerade Linien und Revers bestimmen das Bild. Die Farben sind gedeckt, die Materialien edel. Der gute alte Polyesteranzug, schon lange nur noch als Relikt aus den 80'er Jahren belächelt, hat endgültig ausgedient. Heute sind es Baumwolle, dünne Wollstoffe oder sogar Seide. Gerne darf auch der Anzug inzwischen etwas glänzen.
Die Form orientiert sich dabei an italienischen Mustern, auch wenn die Schulterpolster wieder kleiner und weniger kantig getragen werden. Die Knöpfe sind fast unsichtbar (manche Modelle fangen gar mit verdeckter Knopfleiste an). Der Schnitt ist ansonsten körpernah, befolgt aber auch hier den Trend zur klaren Linie. Extreme Taillierungen gehören der Vergangenheit an.
Das Hemd zu dieser neuen Schlichtheit hat einen Haifischkragen. Zumeist ist es weiß oder écru, als Material ist neben die klassische Baumwolle Seide getreten. Keine Krawattenklammern oder Nadeln, keine oder unauffällige Manschettenknöpfe. Als Schmuck ist hier gerade noch die Armbanduhr erlaubt.
Es versteht sich von selbst, dass die passende Krawatte zu dieser Gesamtoptik nicht gerade durch auffällige Muster geprägt ist. Passend ist eine einfarbige Krawatte schmal, gerne in Trendfarben. Ist die Krawatte schwarz, dunkelgrün oder lila, darf sie auch ruhig mit extremem Lüster blenden ? Satinglanz ist definitiv in. Gebunden wird sie mit schmalem Knoten ? wenn Ihnen der normale Four-in-Hand zu langweilig ist, passt zu einfarbigen Krawatten auch perfekt der Christensen-Knoten (Kreuzkrawattenknoten) mit seinen gekreuzten Windungen.
Also, Trendsetter oder graue Maus? Eleganz braucht kein Dekor, aber Schlichtheit braucht Stilgefühl. Präsentieren Sie sich als modisch versierter Mann mit Ecken und Kanten ? aber ohne Schnörkel und Schleifen.
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