Stilfehler ? kleine Ursache, große Wirkung
Modemagazine, Ratgeber und Internetseiten überschlagen sich geradezu mit guten Ideen, sein persönliches Stilgefühl zu verbessern. Da ist von klassischer Herrenmode die Rede und von neuesten Trends, von absoluten No-Gos und von mindestens ebenso absoluten Must-Haves.Fernsehsendungen geben Tipps für das persönliche Styling, ganze Bibliotheken liefern Informationen. Und meist sind die Menschen, die besonders gut angezogen wirken, gerade nicht diejenigen, die sich sklavisch an jede Stil- und Moderegel halten.
Da lehnt man(n) sch doch lieber resigniert zurück und findet sich damit ab, dass manche Menschen halt Stil haben und andere nicht. Oder? Wieso eigentlich? Ist es wirklich eine so komplizierte Wissenschaft, gepflegt und gut gekleidet auszusehen?
Nun gut, wer meint, dass er modische Vervollkommnung nur mit Ballonseidetrainingsanzügen oder weißen Frotteesocken erreichen kann, braucht sich an den höheren Weihen der Herrenmode gar nicht erst zu versuchen. Und auch Comicfiguren auf der Krawatte sind nicht gerade der Gipfel an gutem Geschmack. Ansonsten braucht man aber nicht viel, um zumindest nicht schlecht auszusehen. Denn darum geht es eigentlich: nicht um Perfektion, sondern um Stil.
Die meisten Männer legen viel Wert auf Bequemlichkeit. Dagegen ist eigentlich auch nicht viel zu sgaen. Leider führt das aber dazu, dass Kleidungsstücke hierzulande oft ein bis zwei Nummern zu groß gekauft werden, aus Angst, sie könnten sonst unbequem werden. Da mag noch ein tief empfundenes Trauma des alten Vatermörderkragens im 19. Jahrhundert mitspielen. Saß der zu eng, konnte es in der Tat unangenehm, in manchen Fällen sogar gesundheitsschädlich werden.
Der Handel tut sein übriges und hat aus logistischen Gründen oft nur noch ungefähre Größen im Sortiment, also S, M und L statt Kragenweiten wie 37 oder 40. Denn der Händler muss sich dann deutlich weniger verschiedene Größen auf Lager legen.
Was bei einem Freizeit-T-Shirt noch in Ordnung geht, kann bei einem Hemd hoch problematisch werden. Denn nun wird das Hemd entweder am Kragen zu eng, oder der Kragen sitzt nicht mehr. Spätestens wenn eine Krawatte dazukommt, wird das Problem akut. Denn die sitzt nun entweder viel zu tief unter dem Kragen oder schnürt den Hals ab.
Aber auch andere Kleidungsstücke sollten zumindest in etwa passen. Eine Hose, die unten mit dem Schuhabsatz abschließt, ist zu lang. Ein Jackett, das bis zum Knie reicht, auch.
Doch selbst wenn die Kleidung perfekt passt, kann sie dennoch daneben liegen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einer Opernpremiere. Dazu haben Sie sich in ihren edelsten, natürlich aus bester italienischer Seide maßgeschneiderten, Schlafanzug geworfen. Was? Das ist doch lächerlich? Stimmt. Weil das Kleidungsstück nicht zum Anlass passt. Und doch: oftmals werden gerade so die schlimmsten Stilfehler gemacht. Edle Designer-Jogginghose? Gerne. Beim Joggen. Aber nicht abends auf der Party. Wer in Jeans und T-Shirt zu einem Festempfang geht, wird sehr verständnislos betrachtet werden, wer im dreiteiligen schwarzen Anzug in der Eisdiele sitzt, erntet zumindest mitleidige Blicke. Der Smoking gehört auf festliche Abendveranstaltungen (und nicht mit Krawatte ins Büro – ja, gucken Sie nicht so irritiert, das ist alles schon vorgekommen), und die stiltechnische Ausnahmegenehmigung, vormittags einen Frack tragen zu dürfen, bekommen Sie höchstens als Orchestermusiker.
Kleine Details wie das richtige Einstecktuch können aus einem guten Outfit ein perfektes Outfit machen – oder ein lachhaftes. Dann nämlich, wenn das Tuch von Ihrem Gesamteindruck ablenkt. Also, ein Tuch in kräftigem Honeysuckle sollten Sie nur dann wählen, wenn Sie eine mindestens genauso dominante Krawatte tragen – und genug Präsenz ausstrahlen, um trotzdem nicht vom Binder überwältigt zu werden.
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