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Warum eine selbstgebundene Fliege besser ist...

Nur noch selten gibt es Gelegenheiten, die die große Abendrobe erfordern. Selbst wer auf Stil und passende Kleidung achtet, wird sich im Normalfall in der Oper im schwarzen Anzug nicht underdressed fühlen. Manch einer hat gar nur noch dunkelgraue Exemplare im Schrank, weil er sowieso nur zur Arbeit Anzug trägt. Selbst auf festlichen Abendgesellschaften sieht man daher Massen von Menschen, die aussehen, als ob sie gerade aus dem Büro kämen. Und ja, den Unterschied zwischen einem Abend-Anzug und einem Businessanzug sieht man.

  

Da ist es sehr ermutigend, dass die Gegenbewegung längst eingesetzt hat. Traf man vor ein paar Jahren in der Oper einen Smokingträger, so hatte er zumeist das 80. Lebensjahr erreicht oder war zumindest nicht mehr weit davon entfernt. Doch gerade die jüngeren Klassikliebhaber sind es, die über mutige Kombinationen und freche Designs der klassischen Abendmode wieder zu ihrem Recht verhelfen. Ungeniert kombinieren Sie die Smokingjacke mit Designerjeans und manchmal sogar den Kläppchenkragen mit einer schmalen Krawatte in schwarz. Ein exzentrischer Look, aber manchen Leuten steht er. Die meisten von uns würden sich so ausstaffiert allerdings eher verkleidet vorkommen.

  

Doch auch klassische Abendgarderobe ist wieder häufiger zu sehen als vor ein paar Jahren. Es setzt sich wieder die Auffassung durch, dass ein Smoking einfach etwas hat nicht aus Konvention oder weil man ihn tragen müsste, sondern weil er einfach besonders elegant aussieht. In diesem Bewusstseinswandel liegt der größte Fortschritt, den die Abendgarderobe je gemacht hat. Man wirft sich wieder in Schale, weil man es will. Ob es nun ein eher klassisches Modell mit Schalkragen ist oder eine futuristische Form mit spitzem Revers und Samtapplikationen, ist dabei dem persönlichen Geschmack überlassen. Absolut unabdingbar in diesem Fall ist aber ein oft unterschätztes Accessoire: Die Fliege.

  

Herrenfliegen

Leider kommen immer mehr Menschen schon beim Binden einer Krawatte ins Schwitzen. Und dann sollen sie sich für ein paar Abende im Jahr auch noch einen Fliegen-Knoten aneignen? Natürlich hat der Handel längst reagiert und bietet fertig gebundene Fliegen mit einem Verschluss an, der hinter dem Hals geschlossen wird. Eine solche Fliege sitzt immer perfekt, gerät nicht aus der Form, und den Unterschied bemerkt doch sowieso niemand. Oder?

  

Richtige Breite der Fliege

Doch, man sieht es. Zu viel Perfektion am Hemdkragen schreit geradezu: Ich bin eine Fertigfliege. Zudem passen die guten Stücke oft nicht wirklich zum Träger. Denn, auch das ist im Zeitalter der Fertigfliege etwas untergegangen, wie ein Krawattenknoten, so sollte sich auch ein Fliegenknoten seinem Träger anpassen. Manch einer, der vielleicht aus Kindertagen eine Umschnallfliege gerettet hat, wirkt damit jetzt, als würde er an seiner zu kleinen Fliege ersticken. Männer mit kleinem, schmalen Gesicht bekommen mit einer breiten Fliege schnell etwas Clowneskes.

  

Wer hingegen seine Fliege selbst bindet, hat die Möglichkeit, alle diese Dinge zu berücksichtigen und seine Fliege perfekt an die eigene Kopfform anzupassen. Als Faustregel kann gelten: eine gut gebundene Fliege reicht mindestens zwischen die Außenränder der Augen und höchstens bis zu den Außenkanten des Gesichts. Das klingt komplizierter als es ist. Mit ein wenig Übung lässt sich das relativ schnell bewerkstelligen. Zudem zeigt die Fliege dann: ich habe wirklich Stil, ich tue nicht nur so als ob.

  

Die Fliege selber binden

  

Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und die Fliege entsprechend seiner momentanen Stimmungslage anpassen, wie es etwa der Architekt Le Corbusier zu tun pflegte. Eine streng gebundene, symmetrische Fliege mit messerscharfen Kanten mahnte zur Vorsicht, der Meister schien schlecht gelaunt zu sein. Gerne trug er die Schleife sonst locker gebunden und ein wenig schief. 

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