Kommt der Smoking zurück?

Nun, wo nach der Sommerpause die Theater den Betrieb wieder aufnehmen, die Tanzschulen die nächsten Bälle ankündigen und das Wetter langsam nicht mehr so schweißtreibend ist, wird auch die Garderobe wieder etwas ausgefeilter. Und während ausgefeiltere Garderobe für manchen schon heißt, dass es diesmal halt die langen Jeans statt der Shorts sein müssen, so ist es bei manchen Anlässen dann doch besser, sich ein wenig in Schale zu werfen.

  

Nun muss es sicherlich nicht immer der Frack sein. Zugegeben, wer den nicht gerade beruflich trägt, wird ihn eher selten brauchen. Vorbei sind die Zeiten, als man noch nur in perfekter White-Tie-Attire für jede Abendgesellschaft gerüstet war. Anders sieht die Lage allerdings beim Smoking aus. Auch wenn mancher sich das kaum vorstellen kann: der Klassiker ist nicht nur nicht totzukriegen, sondern sogar wieder im Aufwind. Zugegeben. Kaum einer von uns gibt wirklich noch Partys, bei denen der Dresscode Black Tie auf der Einladungskarte steht (Hand aufs Herz: wann haben Sie im Zeitalter von E-Mail und SMS das letzte mal mit einer Einladungskarte eine Party angekündigt?). Gleichzeitig aber tauchen gerade in jenem Medium, dem gerne der Niedergang der traditionellen Kleidungskultur zur Last gelegt wird, jene traditionellen Kleidungsstücke wieder auf. Nämlich in Film und Fernsehen. Nachdem in den 80ern und 90ern auch bei Veranstaltungen wie der Oscar-Verleihung offenbar Kreativität und Lässigkeit Trumpf war, würde kaum jemand von den Stars und Sternchen heute noch wagen, sich dort ohne korrekte Abendgarderobe blicken zu lassen.

  

Dabei hatte das klassische Kleidungsstück einen schweren Stand. Die meisten gerade jüngeren Gäste festlicher Angelegenheiten, die sich vor die Wahl gestellt sahen, entweder einen Smoking zu leihen oder einen schwarzen Anzug zu kaufen, waren mit dem sehr viel vielseitigeren Anzug meist wirklich besser bedient, und ein dreiteiliger schwarzer Anzug mit schwarzer oder silberner Krawatte kann ungeheuer förmlich wirken. Auch heute noch wird Ihnen den niemand übelnehmen, wenn Sie damit zu einem Ball oder einer Opernpremiere gehen. Doch eleganter und festlicher ist der Smoking in jedem Fall. Und somit ist er heute zumeist den Gelegenheiten vorbehalten, die besonderen Glamour erfordern.

Denn darin liegt der eigentliche Reiz des Smokings. Nicht darin, sich traditionell zu uniformieren. Nein, seine klassische Eleganz in schlichtem Schwarz und Weiß strahlt so festlich, dass sie praktisch aus dem Alltag heraustreten lässt. Er ist so wohltuend anders als Businessanzug und Tagesgarderobe, dass man das Gefühl hat, ein anderer Mensch zu werden. Wer das nicht nachvollziehen kann, hat sich nie in einem wirklich gut sitzenden Smoking selbst im Spiegel gesehen.

  

Gerade weil die Sehnsucht nach Glanz und Gloria in wirtschaftlich schwierigen Zeiten floriert, haben die meisten Kaufhäuser das gute Stück inzwischen wieder im Sortiment. Das sah vor ein paar Jahren noch ganz anders aus. Nun gut, ganz so extrem traditionell muss man heute nicht mehr alles sehen. So ist zum Beispiel die schwarze Krawatte dabei, sich als Alternative zur schwarzen Fliege ihren Platz zu erobern. Manch modemutiger Gast lässt gar Krawatten völlig weg und entscheidet sich statt dessen für ein Hemd mit Mandarin-Kragen.

  

Doch die Geheimwaffe, die den Smoking weit über hundert Jahre überleben lassen hat, ist nach wie vor der Kontrast zwischen Schwarz und Weiß, den das tief ausgeschnittene Jackett, das viel vom Hemd sehen lässt, noch verstärkt. Gerade darum sollten Sie mit Farbe sehr vorsichtig sein.

  

Was? Wozu sie das Ding denn tragen sollten? Nun, wozu tragen Sie einen dunklen Anzug? Nun gut, auf Tantchens Beerdigung werden Sie damit vermutlich negativ auffallen. Aber gehen Sie doch mal wieder im klassischen Smoking in die Oper. Sie werden sehen, sie ernten bewundernde Blicke von der Damenwelt, neidische von den Herren in Jeans und Blazer – und ein wissendes Lächeln von jenen, die schon immer wussten, was gut ist.